Ein paar Worte zu Jack Wolfskin


Removing Jack Wolfskin Logo unter Creative Commons-Lizenz

Seit ein paar Tagen versucht mal wieder eine Firma ihre Marke zu schützen und reitet sich damit nach allen Regeln der Kunst in die Scheiße. Wer das mediale Echo verfolgt hat oder sich nicht zu schade war, den Titel dieses Beitrags zu lesen, weiß um welche Firma es geht: Jack Wolfskin. Dieses Unternehmen produziert Lifestyle-Outdoor-Klamotten größtenteils für Leute, die mit Wetter in Berührung kommen, wenn die Tiefgarage voll ist und sie vor dem Haus parken müssen.

Aber darum geht es nicht, sondern darum, dass Menschen abgemahnt werden, die bei Dawanda Produkte verkaufen, auf die bspw. eine Pfote gestickt ist, die der Jack-Wolfskin-Pfote ähnelt. Das ganze geht natürlich mit Gebühren von knapp unter 1000 Euro einher. Nun hat Jack Wolfskin eine Stellungnahme veröffentlicht.

Deren Kernaussagen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Natürlich bedauert Jack Wolfskin den Vorfall. An deren Stellen würde ich nach den Wellen, die diese Sache geschlagen hat, auch im Selbstmitleid versinken.
  • Die Aktion war reine Selbstverteidigung. Zwar kann man die Anzahl der Leute, die jene Produkte mit der "geklauten" Jack-Wolfskin-Tatze darauf kaufen, wahrscheinlich an zwei Händen abzählen, aber trotzdem wiegt der Image-Schaden schwer. Nicht zu vergessen die unzähligen Nachahmer, die sich durch Stick- und Häkelware ermutigt sehen.
  • Trotzdem darf jeder Pfoten-Symbole benutzen, wenn diese nur nicht der Jack-Wolfskin-Tatze zu ähnlich sehen. Mir kommen die Tränen. Diese Geste ist an Generösität nicht zu überbieten. Vielen Dank, Jack Wolfskin!

Dazu fällt mir ein, dass ich einmal Post von der Rechtsabteilung von Nivea bekam. Ich hatte eine Domain registriert, auf die sie gemäß Markenschutzrecht Anspruch hatten. Es entstand ein kurzer, höflicher Briefwechsel, ich habe die Domain überschrieben - und das wars. Ohne Rechnung für entstandene Kosten. Man kann das also auch anders regeln. Höflich, indem man mit Menschen redet und so auftritt, dass man die - ach so schützenswerte Marke - nicht innerhalb von drei Tagen komplett in den Dreck zieht.

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Update 29. März 2013:

Auf dem letzten ConventionCamp (2013) erzählte ein Verantwortlicher von Jack Wolfskin bezüglich obigen Falles noch, dass seinerzeit eine Verkettung ungünstiger Faktoren stattgefunden hätte und die Angelegenheit dadurch eine negative Dynamik bekommen hätte. Man sei intern selbst nicht glücklich mit dem Fall gewesen und wolle es zukünftig besser machen.

Scheinbar wurden die Strukturen bei Jack Wolfskin jedoch nicht vollständig durchbrochen, wie die neuerliche Abmahnung gegen die Macher des "Fünf Freunde"-Films zeigt. Zwar muss man zugestehen, dass dieses mal eine Konfrontation auf ungefährer Augenhöhe stattfindet und nicht blindlings Privatpersonen abgemahnt werden. Doch wie der Marketing-Blog so treffend feststellt, drängt sich einem der Eindruck auf, Juristen wären bei Jack Wolfskin mit der Markenführung betraut. Und das mit zweifelhaftem Erfolg.

Sicherlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass man als Unternehmen beim Schutz seiner Marke eine gewisse Konsequenz an den Tag legen muss, um die Ansprüche an die Marke nicht zu verlieren. Aber im Falle von Jack Wolfskin hat sich das meines Erachtens zu einer unendlichen Geschichte voller Missverständnisse entwickelt. Um ehrlich zu sein, habe ich das Gefühl, dass hier ein Re-Branding angebracht wäre. Und zwar mit einer weniger generischen Bildmarke.

Das wäre zwar mit erheblichen Kosten verbunden, aber letztlich ist das der Schutz der bisherigen Bildmarke auch.